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Alarmierende Verkehrsprognosen

Das Ressort Verkehr macht das aktualisierte Verkehrsmodell Liechtenstein bekannt: Der Gesamtverkehr in Liechtenstein hat in den letzten fünf Jahren um 18 Prozent zugenommen, eine weitere Zunahme von 10 Prozent ist bis 2010 prognostiziert. Das muss nicht sein, wenn der Arbeitsverkehr mit intelligenten Massnahmen reduziert wird.

Immer mehr Menschen wollen auf der begrenzten Fläche immer mehr Wege motorisiert zurücklegen. Die Verantwortlichen wollen einerseits diesem menschlichen Hang zu Bequemlichkeit Rechnung tragen, indem sie den lauten Forderungen nach dem „Recht auf Automobilität“ nachkommen. Viel zentraler und übergeordnet ist aber die Aufgabe der Regierung, für eine hohe Lebensqualität zu sorgen und die Grundlagen für eine gute Gesundheit zu sichern: saubere Luft, Ruhe und schöne Landschaft. Auch Mobilität bedeutet Lebensqualität. Neue Strassen brauchen wir aber nicht. Mit politischen Massnahmen und nachhaltigen Infrastrukturlösungen kann die Entwicklung der letzten Jahre gestoppt werden. Die Verkehrsmenge ist lenkbar!

Fokus Arbeitsverkehr

Das Liechtensteiner Verkehrsproblem heisst Arbeitsverkehr. Das Strassensystem stösst deswegen nur morgens, mittags und abends an seine Grenzen. In Liechtenstein werden 75 Prozent der Arbeitswege im Auto zurückgelegt, oft auch kurze Distanzen innerhalb von Gemeinden. Der sogenannte Modalsplit kann mit gezielten Massnahmen so verändert werden, dass der Anteil derjenigen vergrössert wird, die ihren Arbeitsweg im öffentlichen Verkehrsmittel, per Fuss oder Rad zurücklegen. LGU und VCL fordern den Ausbau der ÖBB-Linie und eine grenzüberschreitende S-Bahn zwischen Feldkirch und Sargans als schnellen Zubringer sowie den Abbau von Hindernissen für die Busse. Es braucht auch die Mitarbeit der Unternehmen, die gezielt Anreize schaffen und für ihre Firmenparkplätze Gebühren verlangen. Betriebliches Mobilitätsmanagement ist mittlerweile ein anerkanntes und hocheffizientes Mittel zur Verkehrsreduktion. Neben einzelnen Vorreitern in Liechtenstein begehen immer mehr Firmen und öffentliche Institutionen im nahen Ausland diesen Weg. Wirtschaftlich erfolgreich und ohne Lebensqualitätseinbussen der Mitarbeitenden – im Gegenteil.

Fatal: unerwünschte Prognose als Basis

Die alarmierenden Prognosen, deren Zustandekommen nicht transparent dargelegt wird, sollen gemäss Regierung nun die Basis für die Weiterentwicklung des Liechtensteinischen Verkehrssystems sein. Wir befürchten: Die landesweit geplanten Kapazitätserweiterungen des Strassensystems werden mit diesen Prognosen legitimiert. Der Bevölkerung werden Umfahrungsstrassen und Kapazitätserweiterungen unter dem Deckmantel „Entlastung und Aufwertung der Zentren“ verkauft. Die Planung von Umfahrungsstrassen, aber auch der Ausbau der „neuralgischen Knoten“, zum Beispiel bei der Rheinbrücke Vaduz, werden bereits heute vorangetrieben. Das Ressort Verkehr nimmt einen unerwünschten Zustand und noch unerwünschtere Prognosen als Basis für die Weiterentwicklung des Verkehrssystems! Das ist falsch und verhindert nachhaltige Lösungen. Wir fordern eine Verkehrspolitik, bei der ein vernünftiger Modalsplit beim Arbeitsverkehr für alle verkehrspolitischen Massnahmen Basis ist.

Stoppt diesen Wahnsinn!

Angenommen, das geht so weiter: Dann haben wir in schätzungsweise 35 Jahren doppelt soviel motorisierten Verkehr wie heute! Nicht zu schweigen vom Verlust an wertvoller Natur- und Kulturlandschaft, die mit dieser Entwicklung einhergeht. Und auch nicht vom Verlust an Lebensqualität durch Dreckluft und Lärm. Das ist sozusagen morgen. Unsere Kinder werden dann die Probleme bewältigen müssen, die wir heute schaffen. Mit Verdrängen und Verschieben tun wir ihnen keinen Dienst. Die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz, der VCL und mit uns viele andere engagieren sich seit Jahren gegen die satte Gleichgültigkeit und für eine verträgliche Entwicklung dieses Landes.

Forumbeitrag vom 25. August 2006

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