Tag der offenen Schollenmühle vom Verein Pro Riet Rheintal, Altstätten SG

Das Besucherangebot im Naturschutzgebiet Bannriet-Spitzmäder informiert über die Besonderheiten des Gebiets und lädt zum Verweilen ein.
© Nathalie Winiger

Das Ruggeller Riet ist das bekannteste Flachmoor in Liechtenstein. Die charakteristischen Torfhütten erinnern daran, dass hier früher Torf gestochen wurde. Ein 30-minütiger Film dokumentiert den letzten «Turbenstecher» im Film «Turbenlos» von 1993 (https://www.ruggell.li/filmarchiv) und gibt Einblicke in vergangene Zeiten. Heute erinnern im Naturschutzgebiet einzig die Torfhütten und, mit einem bewussten Auge, die unterschiedlichen Vertiefungen des Geländes an den Abbau des Torfs. Torf wurde früher als Holzersatz zum Heizen verbrannt, was heute in Zeiten der Klima- und Biodiversitätskrise undenkbar geworden ist. Denn in Mooren, respektive im Torf, wird sehr viel CO2 gespeichert. Die Zerstörung der Moore durch Entwässerung führt zu deren Austrocknung und durch den erhöhten Sauerstoff im Boden zum Abbau von Torf, was zum Entweichen des Treibhausgases CO2 führt. Eine Studie im Auftrag des Landes zeigt auf, dass im Ruggeller Riet, im jetzigen entwässerten Zustand, bis zu 95’000 t CO2 entweichen können. Etwa dieselbe Menge CO2 würde ausgestossen, wenn die ganze Bevölkerung von Liechtenstein einmal kurz nach New York und zurück fliegen würde. Und mehr CO2 als Liechtenstein bis 2030 einsparen muss, um sein Klimaziel zu erreichen (78200 t CO2). Eine Vernässung des Gebiets würde diese CO2-Emmissionen verhindern.

Die Torfhütten sind charakteristisch für das Ruggeller Riet und weisen auf einen früheren Torfabbau hin.
© Nathalie Winiger

Die Kulturlandschaft des Ruggeller Riets ist aber auch ein unverzichtbarer Ort der Biodiversität geworden. Viele seltene Pflanzen- und Tierarten haben in Flachmooren ihren letzten Rückzugsort gefunden. So kommen im Ruggeller Riet über 60 der in Liechtenstein heimischen 139 Brutvogelarten vor. Auch äusserst seltene Tagfalter und andere Wirbellose finden optimale Bedingungen in diesen Feuchtgebieten.

Auch im Naturschutzgebiet Bannriet-Spitzmäder in Altstätten SG wurde früher Torf abgebaut und ist heute ein Hotspot der Biodiversität.
© Nathalie Winiger

Auch im nahegelegenen Schweizer Naturschutzgebiet Bannriet-Spitzmäder wurde grossflächig Torf abgebaut. Am 25. Mai 2024 lädt der Verein Pro Riet Rheintal zum Tag der offenen Schollenmühle ein. Ein tolles Programm bietet den Besucher*innen Exkursionen und Kurzführungen zur Geschichte der Schollenmühle und zum Torfabbau. Diese Veranstaltung kann Einblick geben wie früher - auch im Ruggeller Riet - der Moorboden genutzt wurde und was die Besonderheiten von so einem Flachmoor sind. Durch eine Vertiefung im Boden kann man unterirdisch die unterschiedlichen Torfschichten sehen und den getrockneten Torf anfassen. Verschiedene Informationstafeln klären die Besucher*innen über die kulturellen und biologischen Besonderheiten eines Flachmoors auf.

Der Eingang in die Vergangenheit: In den Boden zu den Torfschichten.
© Nathalie Winiger
Tafeln informieren die Besucher*innen über die Besonderheiten des Gebietes.
© Nathalie Winiger

Die LGU kann diese Veranstaltung wärmstens empfehlen. Mit den gewonnenen Informationen können Besucher*innen vielleicht einen neuen Blick auf die Liechtensteiner Flachmoore wie das Ruggeller Riet und Schwabbrünnen-Äscher bekommen. Für alle Morgenmuffel kann sich ausnahmsweise das frühe Aufstehen lohnen, denn dann sieht und hört man Tiere, die üblicherweise während des Tages versteckt bleiben, wie zum Beispiel der Pirol und die Feldhasen. Aber lass dich überraschen, es lohnt sich auf jeden Fall!

Der Torf wird als Anschauungsmaterial getrocknet.
© Nathalie Winiger
Die Gebäude werden als Museum verwendet und um Besucher über die Biodiversität im Gebiet aufzuklären.
© Nathalie Winiger

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