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Ruggeller Riet: Ein Flachmoor in Bedrängnis

Die Pflanzengesellschaften im Ruggeller Riet zeigen uns bereits seit längerer Zeit, dass sie sich verändern. Sie weisen uns damit auf zunehmend trockenere und nährstoffreichere Verhältnisse hin.

Im Rahmen der Gemeindeserie "#näherdran" des Liechtensteiner Vaterlandes wurde die LGU um Auskunft über das Ruggeller Riet angefragt. Von medialem Interesse waren insbesondere der Zustand des Naturschutzgebietes, allfällige Bedrohungen und allfällige Schutzstrategien aus Sicht der LGU. Selbstverständlich stellt die LGU-Geschäftsstelle den interessierten Medien gern Informationen zur Verfügung und gibt ihre Einschätzung aus naturschutzfachlicher Sicht ab:

Rugeller Riet: Ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung
Beim Ruggeller Riet handelt es sich um das grösste Feuchtgebiet in Liechtenstein. Es ist eines der letzten Flachmoore im Talraum und eines der wenigen Relikte der ehemals ausgedehnten Rheintalmoore. Seine Ausweisungen sowohl als liechtensteinisches Naturschutzgebiet, als auch als RAMSAR-Schutzgebiet, betonen seine Wichtigkeit und Schutzwürdigkeit.

Besorgniserregende Veränderungen
Als zwei wichtige und gemeinsame Eigenschaften der Ökosysteme eines Flachmoores könnte man „feucht“ und „mager“ nennen. Leider zeigen uns die Pflanzengesellschaften des Ruggeller Rietes bereits seit längerer Zeit, dass sie sich verändern. Sie weisen uns damit auf zunehmend trockenere und nährstoffreichere Verhältnisse hin.

Nährstoffeinträge finden vor allem durch die Luft statt und stammen wohl bis zu ¾ aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung, aber auch der zunehmende Strassenverkehr mit seinen stickstoffhaltigen Abgasen trägt zur Eutrophierung bei. Zwischen Schutzgebietsteilen und angrenzenden landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen, fehlen zudem Pufferstreifen, die zu hohe Nährstoffeinträge in die Magerstandorte verhindern oder zumindest deutlich reduzieren. Weitere Probleme treten durch Neophyten auf. Im Ruggeller Riet geht die Bedrohung dabei vor allem von bestimmten Goldrutenarten aus. Die Goldruten schätzen die zunehmend trockenen Standorte und breiten sich invasiv aus.

Verändern sich die Pflanzengesellschaften, verändert sich auch die zugehörige Tierwelt.

Flachmoore sind artenreiche Lebensräume
Die Lebensgemeinschaften des Flachmoores Ruggeller Riet beinhalten zahlreiche vom Aussterben bedrohte und gefährdete Pflanzen- und Tierarten, wie beispielsweise die Sumpf-Gladiole  oder die Sibirische Schwertlilie, Vogelarten wie das Braunkehlchen, verschiedene Amphibien- und Reptilienarten, Kleinsäuger wie Fledermäuse, Hermelin, Mauswiesel, etc.,  sowie zahlreiche Insektenarten, unter ihnen auch Schmetterlings-, Wildbienen- und Libellenarten.

Das Ruggeller Riet ist eine wertvolle, artenreiche Kulturlandschaft, bei der ganz besonders darauf zu achten ist, dass beeinflussbare, schädliche Einflüsse von aussen möglichst vermieden oder zumindest minimiert werden. Veränderungen sind sehr genau zu erheben und zu dokumentieren. Gegen unerwünschte Veränderungen müssen rasch Massnahmen ergriffen werden, die von einer Erfolgskontrolle zu begleiten sind, damit klar wird, ob die jeweilige Strategie wirksam ist oder allenfalls rasch angepasst werden muss. Die Zuständigkeit für den Schutz und die Pflege eines Naturschutzgebietes liegt beim Land, also beim Amt für Umwelt.

Besucherinnen und Besucher, die sich an die ausgewiesenen Wege halten und ihre Hunde anleinen, fügen dem Naturschutzgebiet keinen Schaden zu.

Wie aus der Berichterstattung im Vaterland hervorging, bestätigte das Amt für Umwelt die Sicht der LGU.

Wie es zur Unterschutzstellung des Rugeller Riets im Jahr 1978 kam
Bereits 1968 machte Mario F. Broggi, der damals noch Forstpraktikant war, erste Vorschläge zur Erhaltung der Riedflächen.
1970 wurde dann die Botanisch-Zoologische Gesellschaft Liechtenstein-Sarganserland-Werdenberg (BZG) gegründet, die sich die Erforschung und Unterschutzstellung des Ruggeller Rietes als erstes grosses Ziel setzte. Ab 1976 engagierte sich dann die im Jahr 1973 gegründete LGU ebenfalls aktiv für den Schutz des Ruggeller Rietes: durch Bodenerwerb und Bodentausch mit Hilfe von Spendern und Gönnern, sowie durch mehrere Anträge an die Regierung für die Ausweisung eines Naturschutzgebietes. Den dritten Antrag stellte die LGU am 7. Juli 1978 und am 17. Oktober 1978 erliess die Regierung die Verordnung zum Schutz des Ruggeller Rietes (sowie weiterer schützenswerter Flächen im „Scheckenäule“ und in der „Au“).

Im Detail kann der ganze Prozess im Band 12 der Naturkundlichen Forschung des Fürstentums Liechtenstein nachgelesen werden.

Termine
Film über Rhone-Aufweitungen im Wallis Eine Veranstaltung der Werkstatt Faire Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Filmclub im Takino. "Dans le lit du Rhone" oder "Der Lauf des Flusses", anschliessend Aperitif und Gespräch mit der Regisseurin Mélanie Pitteloud. Donnerstag 24.Mai 2018 18:30 - 20:30
Liechtenstein: Ein Land für Wildtiere Eine Vortragsveranstaltung von Michael Fasel und der Erwachsenen-Bildung Stein Egerta Montag 04.Juni 2018 20:15 - 21:45 Seminarzentrum Stein Egerta
LGU-Mitgliederversammlung 2018 Bitte Termin reservieren! Die LGU-Mitgliederversammlung 2018 wird im Liechtenstein Institut in Bendern stattfinden. Vorgängig wird uns Wilfried Marxer über die Arbeit des Liechtenstein Institutes berichten. Dienstag 05.Juni 2018 18:00 - 20:00 Liechtenstein Institut, Bendern
Exkursion: Unterwegs mit der Naturwacht Welche Aufgaben hat unsere Naturwacht und wie nimmt sie diese wahr? Auf einer Exkursion ins Ruggeller Riet mit der Naturwächterin Michaela Hogenboom und dem Naturwächter Georg Willi besteht die Möglichkeit, mehr über ihre interessanten und herausfordernden Aufgaben zu erfahren. Montag 11.Juni 2018 18:30 - 20:30 Treffpunkt Postautohaltestelle Ruggell Kirche
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