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Exkursion ins Ruggeller Riet

Am 9. Februar führten die CIPRA- Liechtenstein-Organisationen LGU, BZG und LOV rund 50 Interessierte auf einer Exkursion durchs Ruggeller Riet.

Zum Weltfeuchtgebietstag (World Wetlands Day) werden weltweit Veranstaltungen organisiert, um auf die Bedeutung und Gefährdung von Feuchtgebieten aufmerksam zu machen. Gleich mehrere Referenten begleiteten die Gruppe Naturinteressierter durch das einzigartige Ruggeller Riet, das auch im Winter durchaus seinen Charme besitzt. 

Zu Beginn der Exkursion begrüsste LGU-Geschäftsführerin Monika Gstöhl die Teilnehmenden. Sie betonte die besondere Bedeutung des Ruggeller Rietes und beleuchtete in einem kurzen Rückblick seine Unterschutzstellung und die Erforschung seiner Naturwerte.

Bereits am letzten Welttag der Feuchtgebiete, Anfang Februar 2019, hatte der Biologe Rudolf Staub auf Einladung von LGU, BZG und LOV  über die Veränderungen der Pflanzengesellschaften im Ruggeller Riet berichtet. Auf der diesjährigen Exkursion konnte er die Problematiken vor Ort aufzeigen und bereits erste Lösungsansätze präsentieren. Er verwies auf die komplexen Vorgänge in diesem wertvollen Lebensraum und betonte wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung sei. Denn die Prozesse im Naturschutzgebiet können nicht isoliert betrachtet werden, sondern stehen in engem Zusammenhang mit seinem Umland. Erste Lösungsansätze, wie die Ausarbeitung eines flexiblen Managementkonzeptes und eines Pilotprojekts, das die Möglichkeit einer Wiedervernässung bestimmter Parzellen klären und ggf. umsetzen soll, wurden präsentiert.

Oliver Müller und Veronika Wolff  vom Amt für Umwelt berichteten über Untersuchungen und Ansätze zur Verbesserung des ökologischen Zustandes des Flachmoores von Seiten des Landes. Es würden Lösungsansätze gesucht, die für alle tragbar seien. Ein grosses Problem im Ruggeller Riet sei die Verbreitung der Goldruten, welche als invasive Neophyten grosse Bestände bilden und die wertvolle, heimische Vegetation verdrängen. Seit einigen Jahren würden bereits grosse Anstrengungen unternommen, um ihre Ausbreitung einzudämmen. Diese würden jedoch nicht ausreichen und weitere Massnahmen seien unbedingt nötig und auch geplant. Veronika Wolff berichtete anschliessend über die bisherigen Ergebnisse der durchgeführten Messungen zu Stickstoffeinträgen aus der Luft. Pflanzen benötigen Stickstoff als Nährstoff, in erhöhten Mengen wird er jedoch schnell zum Schadstoff. Je nach Pflanzengesellschaft seien Einträge von ein bis fünf kg Stickstoff pro Hektar verträglich. Vergleichbar mit Messungen an ähnlichen Standorten in der Schweiz, habe man leider auch im Ruggeller Riet einen Luftstickstoff-Eintrag feststellen müssen, der weit (um das Drei- bis Zehnfache) über einem verträglichen Mass liege.

Der Ornithologe Georg Willi verfolgt und dokumentiert seit vielen Jahren die Brutvögel in Liechtenstein. Er berichtete auf der Exkursion über die Veränderungen einiger typischer  Brutvögel im Ruggeller Riet.

„Das Ruggeller Riet hat sich in den letzten 40 Jahren stark verändert. Darauf weisen die Resultate des Brutvogelmonitorings hin, das seit 1979 durchgeführt wird. War anfänglich das Braunkehlchen die häufigste Brutvogelart im Riet, ist es heute der Sumpfrohrsänger. Allein diese Verschiebung zeigt eindrücklich die Veränderung der Vegetation von einem ursprünglich nährstoffarmen Rietmilieu, bei dem das Pflanzenwachstum zur Brutzeit verzögert ablief, zu einem nährstoffreicheren Schilf- und Hochstaudenried, in dem sich der Sumpfrohrsänger wohl fühlt. Dieser Entwicklung sind auch die Bekassine und der Grosse Brachvogel, einst Symbolart des Ruggeller Riets, zum Opfer gefallen. Verschwunden sind in neuester Zeit auch Grauammer und Baumpieper. Trotzdem stellt das Riet nach wie vor einen ornithologischen Hotspot in der Region dar, dies auch dank der Verbindung mit dem benachbarten Europaschutzgebiet Bangs-Matschels. Nur mutige Schritte, wie die Vernässung von Riedbiotopflächen, werden mithelfen, den Wert des Ruggeller Rietes zu erhalten oder gar zu steigern. Wie wichtig, aber auch schwierig dies sein wird, zeigte sich anlässlich dieser Exkursion.“ 

Beim anschliessenden Apero im Küefer Martis Huus fand die Exkursion einen gemütlichen Ausklang.

 

Die LGU unterstützt mit dieser Veranstaltung folgendes Nachhaltigkeitsziel:

SDG 15 Life on Land

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Rhy-Fäscht 2020 Weitere Informationen folgen... Sonntag 21.Juni 2020 10:00 - 17:00 Kletterfelsen Balzers
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