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Die Europäische Wildkatze ist Pro Natura-Tier des Jahres 2020

Die Botschafterin für wilde Wälder, vielfältige Kulturlandschaften und wirkungsvollen Naturschutz wirbt in diesem Jahr für mehr Wildnis und mehr Freiraum für die Natur. Cathérine Frick und ihre Kollegen sind zuständig für Wildtiermanagement beim Amt für Umwelt. Sie hat der LGU einige Fragen zur Wildkatze beantwortet.
Die Europäische Wildkatze ist Pro Natura-Tier des Jahres 2020

Wildkatzen-Bayern_CC BY-SA 4.0

Wildkatzen sind sehr scheu und leben im Verborgenen. Die nachtaktiven Jäger ernähren sich von Mäusen und anderen Kleintieren. Sie sind angewiesen auf wenig gestörte Lebensräume: Struktur- und deckungsreiche Gebiete wie Laub- oder Mischwälder, Auenwälder und Offenland mit vielen Kleinstrukturen (Kora).

Zurückeroberung ihres ehemaligen Lebensraums
Die Europäische Wildkatze war einmal in ganz Europa, ausgenommen Skandinavien, heimisch. Sie ist heute eine der seltensten heimischen Säugetierarten. Damit teilt sie auch das Schicksal aller Beutegreifer in der Schweiz. Als vermeintlicher Schädling wurde sie erbarmungslos verfolgt, weswegen es heute nur noch aufgesplitterte Restvorkommen gibt.

Laut Cathérine Frick kommt der nächste sichere Nachweis aus der Schweiz aus dem Kanton Schaffhausen. Es bleibt jedoch offen, ob die Wildkatze der Ausrottung in der Schweiz tatsächlich entgangen ist, oder ob heutige Individuen Einwanderern aus Frankreich entstammen. Zudem erfolgten in den 1960er und -70er Jahren mehrere Aussetzungen von Wildkatzen durch amtliche Stellen und Privatpersonen. Das Verbreitungsgebiet der Wildkatze in der Schweiz liegt heute vor allem im Juragebirge, von Genf bis in den Aargau.

Auch Sichtungen bzw. Nachweise von Wildkatzen aus Österreich seien recht selten, wie Cathérine Frick bestätigte. Man staunte, als auf einem Fotofallenbild, das der Jagdaufseher Erich Knappitsch aus dem Bezirk Dornbirn im Mai 2018 übermittelte, eine Wildkatze bestätigt wurde.

Aufgrund der aktuellen Verbreitung und der langsamen Ausbreitung der Art gibt es in der unmittelbaren Nähe von Liechtenstein keine Wildkatzenvorkommen, oder höchstens mal einen „Irrgast“ wie in Vorarlberg.  Zu Einzelnachwiesen könnte es gemäss Cathérine Frick jedoch kommen, da einzelne Katzen in der Regel weit wandern, bis sie einen Partner finden.

Die Voraussetzung für eine Rückkehr der Wildkatze nach Liechtenstein wäre laut Cathérine Frick unter anderem eine intakte Vernetzung ihrer Lebensräume. Diese sei derzeit nicht ausreichend gegeben.  Schwierig würde es auch bei hohen Schneemengen im Winter, da Wildkatzen keinen Winterschlaf halten und als Beutegreifer darauf angewiesen sind, auch im Winter genügend Kleintiere zu fangen. Auch häufige Störungen durch den Menschen dürften sich laut Cathérine Frick kontraproduktiv auswirken. Ausserdem müsse beachtet werden, dass die Wildkatze nicht annähernd so mobil ist wie ein Fuchs, Luchs, Goldschakal oder Wolf und es in der Regel Jahrzehnte dauert bis neue Gebiete besiedelt werden.

Nach Auskunft von Cathérine Frick führt das Amt für Umwelt keine aktiven Aussetzungen oder Umsiedlungen durch. Der Wildkatzenbestand in der Schweiz, in Österreich oder in Deutschland müsse selbstständig wachsen, auch wenn das lange dauert. Der Grund dafür sei, dass man keine Inselvorkommen riskieren wolle, die ohne eine Anbindung an eine etablierte Population wieder zum Aussterben verurteilt wäre.

Was unterscheidet Wildkatzen von Hauskatzen?
Endgültige Gewissheit gibt es nur durch genetische Analysen. Jedoch ist zum Beispiel der massig wirkend Körperbau ein typisches Merkmal für die Wildkatze. Das dichte, langhaarige Fell ist grau-bräunlich und das Streifenmuster auf der Seite wirkt «verwaschen». Auf dem Rücken trägt die Wildkatze einen dunklen Aalstrich. Insgesamt wirkt die Wildkatze wegen ihres dichten Fells kräftiger und grösser als die Hauskatze.

Auffällig ist auch der buschige Schwanz der Wildkatze, der in einer breiten, stumpfen Rundung endet. Am Schwanzende finden sich zwei bis drei schwarze „Kringel“. Typische Merkmale sind auch der breite wuchtige Kopf und die fleischfarbige Nase.

Aus der Wildkatzenforschung
Wildkatzen, getigerte Hauskatzen und Hybriden (Mischlinge) lassen sich rein äusserlich nicht eindeutig voneinander unterscheiden. Alle Katzen haben jedoch eine Schwäche für Baldrianduft. Das nutzt man für den Nachweis aus und verteilt in möglichen Lebensräumen rohe, mit Baldrian eingesprühte Holzlatten. Vorbeiziehende Katzen reiben sich daran, um ihre Duftmarken zu setzen. Dabei lassen sie Haare zurück, die molekularbiologisch untersucht werden und die genaue Art preisgeben.

In der Schweiz läuft derzeit ein nationales Wildkatzen-Monitoring, das von 2018 bis 2020 im ganzen Jurabogen, sowie in einem Teil des Mittellandes und der Voralpen umgesetzt wird. Das Monitoring findet im bereits bekannten Verbreitungsgebiet sowie an dessen Rändern statt, da man dort aufgrund der natürlichen Ausbreitung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit neue Nachweise findet. Die Projektziele sind eine Verbreitungskarte der Wildkatzen in der Schweiz, eine Schätzung der Hybridisierungsrate sowie der Wildkatzendichte und der Vergleich mit vor zehn Jahren erhobenen Werten. Bei uns in Liechtenstein mache eine derartige Untersuchung derzeit keinen Sinn, wie Cathérine Frick betont. Die Erfolgsaussichten, hierzulande bei einem Monitoring Wildkatzen zu finden, seien zu klein. Gäbe es Anlass zu glauben, dass in Liechtenstein Wildkatzen vorkommen, würde das Amt für Umwelt zusammen mit der KORA, die Schweizer Fachstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement, ein Monitoring durchführen.

KatzenhalterInnen in der Pflicht
Angewiesen ist das Pro Natura Tier des Jahres 2020 nicht nur auf geeignete Lebensräume, sondern auch auf einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Hauskatzen. Diese sind zwar mit der Europäischen Wildkatze verwandt, stammen aber von der afrikanisch-asiatischen Wildkatze, auch Falbkatze genannt, ab. Im Gegensatz zu der Falbkatze, gilt die Europäische Wildkatze als unzähmbar.

Hauskatzen und Wildkatzen können sich allerdings paaren und fortpflanzungsfähige Junge gebären. Es besteht somit die Gefahr einer Vermischung (Hybridisierung). Katzenhaltenden kommt also eine grosse Verantwortung zu. Wer freilaufende Katzen hält, sollte diese kastrieren.

Natürliche Feinde der Wildkatze
Als natürliche Feinde gelten in unseren Breiten vor allem Luchs und Wolf. Uhu, Steinadler oder Habicht erbeuten meist nur Jungtiere. Auch Baummarder, Fuchs oder Hermelin können jungen Wildkatzen gefährlich werden.

Gefährdung durch den Menschen
Wildkatzen wurden, wie zahlreiche andere Wildtiere, durch die intensive Nutzung der Landschaft durch Verkehr, Siedlungsgebiete und Landwirtschaft auf wenige Restlebensräume zurückgedrängt. Diese letzten Rückzugsgebiete liegen voneinander isoliert. Die dort lebenden, vereinzelten Wildkatzenpopulationen sind sehr klein und entsprechend anfällig für Inzucht und Krankheiten. Unentbehrlich sind deshalb in Zukunft naturnahe Wälder und vernetzende Strukturen wie Hecken, Gehölze und Waldinseln. Ebenso wichtig sind Wildtierpassagen über oder unter verkehrsreichen Strassen.

Termine
Flussfilmfestival 2020 Werdenberg/Liechtenstein Donnerstag 02.Juli 2020 - Samstag 04.Juli 2020 Skino Schaan, Schloss Werdenberg
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