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Wie ist es um die Kiebitze in Liechtenstein bestellt?

Seit vielen Jahren sieht die Lage schütter aus für die eindrucksvollen Watvögel, denn sie finden kaum mehr geeignete Lebensräume. - Ein Interview mit dem Ornithologen Georg Willi.
Wie ist es um die Kiebitze in Liechtenstein bestellt?

Frebeck CC

Anfang des Jahres rief der Schweizer Vogelschutzverband BirdLife den Kiebitz zum Vogel des Jahres 2019 aus.
Der Kiebitz Vanellus vanellus ist ein Watvogel aus der Familie der Regenpfeifer. Bereits im Februar kehren die ersten Kiebitze aus ihren Winterquartieren im Mittelmeerraum zurück. Ab Ende März kann man theoretisch die Balzrufe der Männchen hören. Dem eindrücklichen Kiwit it it kiwit verdankt der Kiebitz seinen deutschen Namen. Unverkennbar ist seine lange, abstehende Federholle am Hinterkopf, die er zur Balz- und Brutzeit trägt. Auch sein Jagdverhalten ist auffällig: Beim „Bodenklopfen“ oder „Fusstrillern“ steht er auf einem Bein und bewegt das andere rasch vibrierend auf und ab, ohne den Bodenkontakt zu verlieren. Auf diese Weise simuliert der Kiebitz Regen und lockt Beutetiere wie Regenwürmer aus der Erde.

Früher, in den 1970er und 1980er Jahren, konnte der Watvogel regelmässig in der Flachmoorlandschaft des Ruggeller Riets, des Bannriets und der Kulturlandschaft des Vaduzer Riets beobachtet werden. Heute ist der Kiebitz bei uns sehr selten geworden.

Der Ornithologe Georg Willi setzt sich für Förderung der Kiebitze in Liechtenstein ein und beantwortet den Praktikanten Julia und Livio in der LGU-Geschäftsstelle ihre Fragen rund um den Kiebitz:

Wie sieht ein idealer Lebensraum für Kiebitze aus?
Ursprünglich bewohnte der Kiebitz nur Streuewiesen, also Feuchtgebiete. Vor rund 80 Jahren begann er mancherorts auch auf Äckern zu brüten. Wo mehr Gelege angelegt werden, auf Äckern oder in Streuewiesen, ist von Region zu Region verschieden. Fest steht, dass Ackerflächen einen Ersatzlebensraum darstellen. Kiebitze bevorzugen zum Brüten eher kurzrasige Feuchtwiesen, doch aufgrund von Überdüngung wächst heute die Vegetation schneller auf als früher. Dadurch fehlt dem Kiebitz die nötige Übersicht.

Wie ist es gemäss der Roten Listen um die Kiebitz-Bestände bestellt?
Kiebitze sind in der Schweiz und in Liechtenstein vom Aussterben bedroht. Der Bestand in Europa ist als „verletzlich“ eingestuft.

Wie hat sich die Population der Kiebitze in Liechtenstein über die Jahre verändert?
Früher kam der Kiebitz regelmässig in unserer Region vor. Bis in die 80er Jahre brüteten Kiebitze auch im Vaduzer Riet. Zwischen 2002 und 2014 waren Kiebitze als Brutvögel in Liechtenstein ausgestorben. Erst seit dem Jahr 2015 zeigen sich wieder sporadisch ein bis zwei Paare im Ruggeller Riet.

Was sind die Gründe für den Rückgang der Kiebitze in unserer Region?
Durch die Entwässerung der Feuchtgebiete und die Absenkung des Grundwassers gibt es mehr Bodenprädatoren, wie zum Beispiel Füchse, die Gelege und Jungvögel bedrohen. Die landwirtschaftliche Intensivierung und der zunehmende Luftstickstoffeintrag setzen dem Lebensraum der Kiebitze ebenfalls zu.

Wie lange brüten Kiebitze?
Kiebitze brüten in der Regel in 27 Tagen vier Eier aus. Bis die Jungkiebitze selbstständig sind, dauert es 42 Tage. In dieser Zeit sind sie vielen Gefahren ausgesetzt.

An welche Gefahren denkst du hier?
Natürliche Feinde sind beispielsweise Marder, Füchse, Greifvögel oder auch Störche. Zudem ist der Bruterfolg von der Bewirtschaftung und auch der Witterung abhängig.

Was ist geplant, um die Kiebitze in Liechtenstein zu fördern?
Kiebitzgelege im Ruggeller Riet sollen mit Weidezäunen gesichert werden, um Bodenprädatoren fernzuhalten. „Körbe“ aus Eisen oder Holz, die über das Gelege gestellt werden, sollen zusätzlichen Schutz, insbesondere vor Räubern aus der Luft bieten.

Wurde ein vergleichbares Projekt bereits umgesetzt?
In Deutschland und Österreich wurden bereits solche Schutzkörbe erfolgreich eingesetzt, aber es sind noch nicht viele Erfahrungen mit dieser Schutzmassnahme gemacht worden.

Wie lange schützt man ein Kiebitzgelege mit dieser Methode?
Kiebitze brüten zwischen März und Juni. Gesetzt den Fall, dass in diesem Jahr überhaupt Bruten stattfinden, sollen die Gelege so lange geschützt werden, bis alle Eier ausgebrütet sind. Denn Kiebitze sind Nestflüchter und Zäune oder Körbe sind nutzlos, sobald die Nestlinge auf Wanderschaft gehen.

Was erhoffst du dir vom Projekt?
Die Schutzmassnahmen sollen helfen, den Bruterfolg zu verbessern. Da Kiebitze später vorzugsweise dort brüten, wo sie aufgewachsen sind, ist das längerfristige Ziel, Kiebitze in Liechtenstein wieder als regelmässige Brutvögel zu etablieren.

Sind weitere Schutz- oder Fördermassnahmen für Kiebitze geplant?
Derzeit sind keine weiteren Massnahmen geplant.

Was würde die Chancen erhöhen, damit man bei uns wieder häufiger die Rufe der Kiebitze hören kann?
Den Bruterfolg zu unterstützen ist auf jeden Fall wichtig, damit die Nachkommen zurückkehren und sich mit der Zeit eine Population bilden kann. Ausserdem wären Massnahmen zur Lebensraumverbesserung für Kiebitze im Ruggeller Riet durch Revitalisierungsmassnahmen wie Anheben des Grundwasserspiegels sinnvoll. Insbesondere junge Kiebitze sind auf vernässte Flächen angewiesen, da sie von den Eltern nicht gefüttert werden und sich ihre Nahrung selber beschaffen müssen.

In der Schweiz, unter anderem im Neeracherried, konnte beobachtet werden, dass Kiebitze von einer Beweidung mit Hochlandrindern profitieren. Das ist allerdings in einem Naturschutzgebiet nicht möglich. Allgemein ist festzuhalten, dass die verschiedenen Schutzbemühungen in unserem westlichen Nachbarsland Wirkung zeigen. Die Anzahl Brutpaare stieg in den letzten 15 Jahren von 83 auf rund 200. Es ist zu hoffen, dass sich diese erfreuliche Entwicklung fortsetzt.

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