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Rückgang der Vögel im Kulturland

Aus der kürzlich erschienenen Sonderausgabe zum Brutvogelatlas 2013 – 2016 der Vogelwarte Sempach ist zu entnehmen, dass die Anzahl der Vogelarten des Kulturlandes über die letzten 20 Jahre dramatisch zurückgegangen ist. Einige Arten sind sogar völlig aus bestimmten Regionen oder der ganzen Schweiz verschwunden. Diese besorgniserregende Entwicklung ist auch in Liechtenstein zu beobachten.
Rückgang der Vögel im Kulturland

Braunkehlchen

„Kulturlandschaft“ umfasst alle vom Menschen geprägten Landschaften, in unserer Region sind damit aber vor allem die landwirtschaftlich genutzten Flächen gemeint. Zu diesen gehören Wiesen und Weiden, Ackerland, Obstgärten, Hecken und Feldgehölze.

Wir haben unsere Landschaft mit der Zeit stark verändert. In den neuen Kulturlandschaften fanden zunächst vor allem diejenigen Arten einen sog. Sekundärlebensraum, welche sonst an natürlichen Waldrändern, in lichten Wäldern, sowie im Grasland anzutreffen waren. Von den 50-er Jahren an erlebte die Landwirtschaft eine massive Intensivierung. Extensiv bewirtschaftete Äcker mit Fruchtfolgen und Brachen sowie vielfältige Blumenwiesen wichen Monokulturen und einem einheitlichen Grün. Es wurden ganze Gebiete entwässert und Obstbäume, Hecken und Feldgehölze gerodet, um eine Bewirtschaftung mit immer grösseren Maschinen zu ermöglichen.

Kurzum, es wurde eintönig! Hinzu kamen der intensive Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern. Dies alles führte zu einem dramatischen Rückgang der Biodiversität im Kulturland.

Seit den 90-er Jahren ist zwar ein Trend in Richtung Bio-Landwirtschaft erkennbar, dennoch sinkt die Anzahl der Vogelarten weiter. Um dies zu ändern braucht es unbedingt wieder mehr naturnahe Lebensräume.

Wiesen und Weiden

In extensiv bewirtschafteten Wiesen und Weiden, welche eine hohe Insektendichte sowie eine Anzahl verschiedener Pflanzen und Samen aufweisen, fühlen sich vor allem die Bodenbrüter wie Wachtelkönig, Braunkehlchen, Feld- und Heidelerche wohl. Sie nutzen die Wiesen als Deckung und verstecken ihre Nester in der Vegetation, oftmals in Vertiefungen. Strukturen werden als Singwarte oder  als Ansitz zum Jagen genutzt. Insekten, Schnecken, verschiedene Pflanzen und Samen, welche in solchen Habitaten in hoher Dichte zu finden sind, liefern die nötige Nahrung. In den heute vorherrschenden Fettwiesen finden diese Arten nicht ausreichend Nahrung und die häufigen und frühen Schnitte verhindern Nestbau und Brut, ihr Bestand geht zurück. In Liechtenstein haben beispielsweise die Braunkehlchen viele Gebiete verlassen und Feld- sowie Heidelerche sind leider ganz ausgestorben.

Ackerland

Ackerbau mit Fruchtfolge und Brachen bedeutet auch eine vielfältige Ackerbegleitflora. Diese wiederum ist Lebensgrundlage für viele Insekten- und Vogelarten. Dort sind Arten wie Rebhuhn, Wachtel, Grauammer und Kiebitz zu Hause. Wer erinnert sich noch an diese Bodenbrüter welche sich von Pflanze, Samen und/oder Insekten ernähren? Rebhuhn und Co. werden immer seltener.  Sie sind in Liechtenstein entweder vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben.  Einzige Ausnahme ist das Schwarzkehlchen, welches in den letzten Jahren, begünstigt durch den Klimawandel, häufiger geworden ist.

Hecken, Feldgehölze, Obstgärten

Heute sind natürliche Gebüschbestände sehr selten geworden. Waldränder verlaufen in scharfen Linien und Auen und Feuchtgebiete gibt es nicht mehr viele. Bäume und Büsche werden als Hindernisse gesehen und gerodet. Doch genau solche Strukturen werden von Neuntötern, Goldammern und Dorngrasmücken benötigt. Auch Steinkauz, Wendehals, Wiedehopf und Gartenrotschwanz benötigen Hecken und Gehölze, aber bevorzugen etwas offenere Habitate, die ihrem Jagdverhalten entsprechen. Bis auf den Wiedehopf sind auch diese Vögel im Rückgang. Der Steinkauz ist in Liechtenstein gar seit einigen Jahren ausgestorben.

Vögel sind gute Indikatoren wenn es darum geht, den Zustand der Umwelt zu erfassen. In der Regel gibt es in vielfältigen, strukturreichen Landschaften mehr Vogelarten als in eintönigen. Dies gilt nicht nur für die Vogelwelt, sondern für die Biodiversität im Allgemeinen. Die biologische Vielfalt, oder eben Biodiversität, ist für uns Menschen eine wichtige Grundlage und die Zerstörung/Zerstückelung von Lebensräumen gilt bei manchen Experten als grösste Gefahr für das menschliche Wohlergehen.

Um Biodiversität zu fördern, braucht es viele verschiedene Lebensräume ausreichender Grösse, die miteinander vernetzt sind.

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre sicherlich die Umstellung auf eine Bio-Landwirtschaft. In einer solchen, werden keine synthetischen Pflanzenschutzmittel, Dünger oder dergleichen verwendet und natürliche Lebenskreisläufe werden berücksichtigt. Doch dies reicht leider noch nicht aus. In Zukunft brauchen wir eine ökologische Landwirtschaft, welche vermehrt auf den Erhalt und die Förderung von Biodiversität ausgerichtet ist. Um dieses wichtige Ziel erreichten zu können, braucht es aus Sicht der LGU einen wirksamen politischen Ordnungsrahmen mit An- und Abreizen.   

Termine
"Damit gutes Leben einfacher wird - Perspektiven einer Suffizienzpolitik" Vortrag der Volkswirtin Prof. Dr. Angelika Zahrnt mit anschliessender Podiumsdiskussion. Montag 12.November 2018 18:30 - 20:30 Foyer Vaduzer Saal
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