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Mehr Leben auch am Alpenrhein

Natürliche Fliessgewässer sind schön und bieten Lebensraum und Erholung. Der Landtag hat letzte Woche ein klares Ja zu weiteren Aufwertungsmassnahmen an Liechtensteiner Fliessgewässern gegeben. Das ist ein gutes und wertvolles Signal auch für den Alpenrhein.
Mehr Leben auch am Alpenrhein

Die ehemaligen Auenwälder ennet dem Rheindamm sollen wiederbelebt werden.

Es ist erfreulich, die Aufwertung von kleinen Fliessgewässern hat in den letzten Jahren in Liechtenstein grosse Akzeptanz gefunden. Das Land und viele Gemeinden haben realisiert, wie ökologisch gesunde Gewässer nicht nur von den Tieren und Pflanzen, sondern auch von der Bevölkerung mit Freude angenommen werden. Eine vitale Landschaft mit Erholungswert ist heute ein wesentlicher Standortfaktor. Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Einwohner möchten sich in einer intakten Landschaft erholen. Bäche und Flüsse spielen beim Auftanken in der Natur eine besondere Rolle. Naturnahe Fliessgewässer mit ihrer natürlichen Artenvielfalt öffnen den Blick für das Leben.

Mit dem Rhein verbunden

Das liechtensteinische Gewässersystem ist eng mit dem Alpenrhein verknüpft. Er spielt nicht nur eine zentrale Rolle für den Grundwasserspiegel und damit für die Wasservorkommen in Giessen und Feuchtgebieten. Der Alpenrhein gibt auch vor, ob die neu geschaffenen Strukturen in den kleineren Zuflüssen tatsächlich von Lebewesen vermehrt belebt werden. Viele Arten, zum Beispiel die Seeforelle und die Äsche, finden an der beispielhaft aufgewerteten Binnenkanalmündung in Ruggell den Weg aus dem Alpenrhein in die Liechtensteiner Bäche. Ihre Bestände sind aber nur gesichert, wenn auch der Rhein, die eigentliche Lebensader des Tals, als Lebensraum aufgewertet wird. Dessen ökologischer Zustand ist, und das wurde jüngst in einer Untersuchung (pdf) bestätigt, bedenklich und verschlechtert sich zunehmend. Hauptursachen dafür sind die grossen Wasserstandsschwankungen, Wanderhindernisse und die armen eintönigen Kanalstrukturen.

Ein Schritt Richtung Umsetzung

Die Regierungen am Alpenrhein haben diese Probleme erkannt und ein „Entwicklungskonzept Alpenrhein“ verabschiedet. Sie schlagen viele Massnahmen vor, um die Hochwassersicherheit im Einklang mit der Natur weiterhin zu gewährleisten oder zu verbessern. Fazit: Der Alpenrhein braucht mehr Raum. Die grösste Revitalisierungsstrecke, an der noch unbebaute Flächen sind, liegt zwischen Schaan und Bendern. Der Weg zur Realisierung dieser Vision ist lang und steinig, braucht Boden und Geld. Ist für die einen lästig, für die anderen eine Chance. Eine Chance, zugleich die giftigen Altlasten der alten Mülldeponien am Rheindamm zu sanieren und so langfristig die Trinkwasserqualität zu sichern. Eine Chance aber auch, ein Stück natürlichen Alpenrhein ohne Einbussen bei der Hochwassersicherheit wieder herzustellen. Und gleichzeitig die Überreste der Auenwälder zu retten, sie sind die artenreichsten Biotope überhaupt. Die Liechtensteiner Bevölkerung bekäme eine Erholungslandschaft von unschätzbarem Wert. Die Zeit ist reif, vorsorglich den Boden zu sichern, den grossen Wurf zu planen und an eine schrittweise Realisierung zu denken.


Forumbeitrag im Liechtensteiner Vaterland und Volksblatt vom 4. Juni 2008

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