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Abschussbewilligungen zweier Wölfe im Wallis

Letzte Woche gab der Kanton Wallis in einer Medienmitteilung bekannt, dass der Abschuss von zwei Wölfen angeordnet wurde.

In den Regionen Goms und Val d'Anniviers wurden im letzten Sommer 34 Schafe auf geschützen, und 87 Schafe auf nicht schützbaren oder ungeschützen Alpen gerissen. Nun wurde in beiden Regionen jeweils die Abschussbewilligung für einen Wolf erteilt. Vor allem die Bewilligung für das Val d’Anniviers stösst auf Kritik.

Laut der Pressemitteilung des Kantons Wallis erfüllen die Rissereignisse dieses Sommers zusammen mit denen des Vorjahres in der Region Goms die Voraussetzungen für den Einzelabschuss eines Wolfes und auch die aktuelle Situation im Val d’Annivisiers entspräche den "Anforderungen des Konzeptes Wolf Schweiz".

In vergangenen Jahren konnte im Gebiet Augstbord-Val d'Anniviers-Vallon de Réchy jeweils ein Wolfrudel nachgewiesen werden. So auch letztes Jahr. Ist der Nachweis eines Rudels nach den Kriterien des Konzepts Wolf Schweiz erfolgt, darf gemäss Jagdverordnung keine Abschussbewilligung für einzelne Tiere erteilt werden, sondern es ist eine Regulation des Rudels vorgesehen. Wie eine Rudel-Regulation umgesetzt werden darf, ist sehr komplex geregelt und unterliegt der Jagdverordnung. Der Kanton Wallis teilte mit, dass das diesjährige Wolfsmonitoring die Anwesenheit von maximal 2 Individuen gezeigt hätte und keinen Nachweis für Jungtiere liefere. Die zuständige Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere gehe deshalb davon aus, dass es im Gebiet Val d'Anniviers momentan kein Wolfsrudel mehr gebe. Folglich könne hier der Einzelabschuss bewilligt werden.

Noch Ende Juli diesen Jahres wurde eine beantragte Abschussbewilligung im gleichen Gebiet abgewiesen, da die Voraussetzungen für die Erteilung einer solchen Bewilligung nicht erfüllt wurden. Damals, also vor gut einem Monat war zu lesen, dass sich das Gebiet Val d'Anniviers im Streifgebiet eines Wolfsrudels befinde, und deshalb ein Einzelabschuss nicht bewilligt werden könne. Die Begründung stützte sich damals auf die Monitoringdaten vom September 2017, welche anhand von DNA-Analysen zeigten, dass sich zwei männliche und zwei weibliche Wölfe im Gebiet aufhielten.

Die beiden Vereine "CHWOLF" und "Gruppe Wolf Schweiz (GWS)" kritisieren vor allem die Bewilligung für das Val d’Anniviers. Zum einen argumentieren sie, dass die vom Konzept verlangten und zumutbaren Herdenschutzmassnahmen auf den von Rissen betroffenen Alpen nicht ergriffen worden waren und zum anderen gebe es ausreichend Hinweise aus dem vergangenen Sommer, welche auf eine Rudelsituation schliessen liessen. So sollen beispielsweise im Juli 2018 Wolfswelpen gesichtet worden sein. Diese Situation würde einen Einzelabschuss nicht erlauben.

Eine Nachfrage der LGU beim WWF Schweiz ergab, dass die Organisation die Abschussbewilligungen bedauere und derzeit die zugestellten Abschussdokumente prüfe.

Wie auch andere Grossraubtiere, waren Wölfe in der Schweiz über hundert Jahre ausgestorben. 1995 gelang erstmals wieder der Nachweis. Die eingewanderten Tiere stammten damals aus Italien und hatten sich natürlich ausgebreitet. Heute gibt es laut KORA 30-35 Wölfe in der Schweiz: 3 Rudel, 1 Paar sowie eine Anzahl Einzeltiere. Meist handelt es sich um männliche Tiere welche aus den französischen und italischen Alpen abwandern. Einige von diesen bleiben, viele werden aber auch einmalig nachgewiesen.

Als effektive Abwehr gegen Wolfsangriffe auf Nutztiere werden verschiedene Massnahmen vorgeschlagen. Der Bund fördert beispielsweise die Behirtung, die Anwendung von Weidezäunen sowie den Einsatz von Herdenschutzhunden. Gemäss GWS und CHWOLF würden durch geeignete und sachgemäss eingesetzte Herdenschutzmassnahmen die Angriffe glimpflicher ausfallen und ein Grossteil der Angriffe wäre sogar vermeidbar. Beide Gruppen betonen jedoch auch, dass ein Restrisiko immer bestehe.

Anders als beim Luchs, wird für den Wolf kein aktives, systematisches Monitoring durchgeführt. KORA, die für die nationale Überwachung des Wolfsbestandes in der Schweiz zuständige Institution, sammelt alle gemeldeten Wolfsnachweise, wie beispielsweise genetische Proben von Wild- oder Nutztierrissen, Speichel oder Kot. Damit lasse sich die minimale Anzahl Wölfe in der Schweiz ermitteln.

In Liechtenstein wurden bisher noch keine Nutztierrisse durch Wölfe bekannt. Da in unserer Nachbarschaft, im Calanda-Gebiet, ein Wolfsrudel lebt und davon auszugehen ist, dass Einzeltiere auch durch Liechtenstein wandern, werden bei uns allfällige Schutzmassnahmen und Schäden durch die soeben in Kraft getretene "Verordnung über die Verhütung und Vergütung von Schäden durch spezifisch geschützte Tierarten (VVSV)" geregelt.

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