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Industriezubringer löst keine Probleme

Die Umfahrungsstrasse „Nordspange Schaan“ ist im Verkehrsrichtplan der Gemeinde Schaan als Gesamtprojekt verankert. Sinn der Umweltverträglichkeitsprüfung ist es, solche Grossprojekte gesamtheitlich auf ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu prüfen. Das kürzliche Urteil des Verwaltungsgerichthofes (VGH) führt diese Prüfung ad absurdum.
Industriezubringer löst keine Probleme

Industriezubringer bringt noch mehr Schleichverkehr ins Tröxle/Malarsch (Bild:Tröxlegasse)

Die gesamte Nordspange Schaan führt von der Feldkircherstrasse über die Bendererstrasse bis zur Zollstrasse. Ihre erste Etappe, der so genannte Industriezubringer, führt von der Feldkircherstrasse bei der Hilti AG über die Industrie Schaan bis zur Bendererstrasse im Bereich der Hilcona AG. Die zweite Etappe führt mitten durch das Landwirtschaftsgebiet westlich von Schaan. Weil der Bau der ersten Etappe den Bau der zweiten Etappe nach sich zieht und dies auch im Richtplan so vorgesehen ist, wurde der rechtsverbindliche Untersuchungsrahmen für die Umweltverträglichkeitsprüfung auf beide Etappen festgelegt. Damit wollte man – so die Entscheidungsträger anlässlich der ersten Erörterung – den Vorwurf einer „Salamitaktik“ vermeiden. LGU und VCL waren mit diesem Vorgehen einverstanden. Nun billigt der VGH, dass die Regierung ihre Meinung während dem laufenden Prüfungsverfahren geändert hat. Er stellt fest, dass sie sich nicht an ihre eigene Entscheidung über den Untersuchungsrahmen zu halten hat und die Umweltverträglichkeit nur der ersten Etappe festlegen kann. Dies obwohl das Gesetz eine gesamtheitliche Prüfung verlangt.

Gewünschte Wirkung des Industriezubringers nicht erreicht

Die Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung enthalten Prognosen über die erwartete Wirkung des Industriezubringers. Eine relevante Entlastung der Lindenkreuzung durch den Industriezubringer ist nicht zu erwarten. Auf einzelnen Strassenabschnitten der Wohnquartiere wird zwar gegenüber der Nullvariante eine merkliche Entlastung prognostiziert. Wegen der Zunahme des wachstumsbedingten Autoverkehrs werden die Quartiere aber bereits in wenigen Jahren wieder ähnlich oder noch höher belastet sein als heute. In der Specki zum Beispiel sind im Jahr 2015 selbst mit dem Industriezubringer noch täglich 2'900 Fahrzeuge zu erwarten, gegenüber heute 3'300. Im Zalgalzel wird es bis 2015 – trotz Industriezubringer – sogar eine Erhöhung der Durchfahrten geben, von heute 900 pro Tag auf 1'200. Das Ziel, die Wohnquartiere dauerhaft zu entlasten, wird nicht erreicht. Das zeigt deutlich, dass das eigentliche Problem, die Belastung durch den stetig zunehmenden Autoverkehr, nicht mit neuen Strassen gelöst werden kann.

Mehr Durchgangsverkehr im Malarsch

Der Schleichverkehr im Tröxle/Malarsch wird durch den Industriezubringer noch weiter zunehmen. Dies wird dann der direkteste Weg zum Autobahnanschluss Buchs sein. Zudem ist belegt, dass erst die zweite Etappe der Umfahrung eine relevante Entlastung der gewünschten Strassenabschnitte bringen wird. Deshalb ist absehbar, dass nach dem Bau des Industriezubringers der Druck massiv steigen wird, möglichst schnell auch die zweite Etappe zu realisieren. Längerfristig aber wird die gesamte Umfahrungsstrasse Verkehr aus dem Unterland und von der Schweizer Autobahn übernehmen. Die Anziehungswirkung auf den internationalen Transitverkehr ist beträchtlich. Diese Verkehrszunahmen führen dazu, dass die gesetzlichen Vorgaben für Luftemissionen an verschiedenen Strassenabschnitten im Siedlungsgebiet nicht eingehalten werden. Die zweite Etappe führt mitten durch das furchtbare Ackerland und zerschneidet das wichtige Naherholungsgebiet im Riet.

Umweltverträgliche Lösungen sind möglich

An der Lindenkreuzung wird die geplante Ringlösung die Staus voraussichtlich aufheben, das haben erste Versuchsphasen bereits gezeigt. Die belasteten Wohngebiete östlich und westlich der Bendererstrasse könnten bereits heute mit erprobten Quartierberuhigungsmassnahmen (Fahrverbote, Hindernisse und Tempo-30-Zonen) vom Durchgangsverkehr befreit werden. Eine nachhaltig wirksame Lösung erreichen wir nur, wenn der motorisierte Arbeitsverkehr reduziert wird: Das Arbeitsplatzzentrum Industrie Schaan sollte mit einer zusätzlichen S-Bahn-Haltestelle an den öffentlichen Verkehr angebunden werden. Die grossen Arbeitgeber könnten – im eigenen Interesse – ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch Betriebliches Mobilitätsmanagement beim Umsteigen unterstützen. So bleibt die Rheintalregion als Standort attraktiv, denn die Arbeitnehmenden können ohne hohe Autoausgaben an ihren Arbeitsort gelangen. So steigt die Umweltqualität, und das beliebte Naherholungsgebiet im Riet könnte erhalten bleiben.

 
Forumbeitrag der LGU und des Verkehrs-Clubs Liechtenstein VCL vom 17. September 2008.


Weitere Informationen zum Umfahrungsprojekt "Nordspange Schaan" und zum UVP-Verfahren finden Sie hier.


 

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