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Stau in den Köpfen

Die Schweizer Autobahn A13 funktioniert für Liechtenstein als Gratis-Umfahrungsstrasse, das erfahren wir auf der Frontseite des Volksblatts vom 4. November 2006. Für die Behebung Rückstaus soll die Autobahnausfahrt doppelspurig ausgebaut werden. Um die Morgen- und Abendspitzen „nochmals“ zu entschärfen, wird zugleich intensiv an der Rheinstrasse Süd Vaduz-Triesen geplant.

Für die erste Etappe der Nordspange Schaan und nun auch die Rheinstrasse Süd laufen die Planungen auf Hochtouren. Der Nutzen dieser Projekte kann nicht belegt werden. Die Rheinstrasse löst das Stauproblem auf dem Engpass Rheinbrücke aber nicht, sondern verschärft es zusätzlich. Immer dort, wo neue Kapazitäten geschaffen werden, steigt das Verkehrsaufkommen. Die Strasse verschlingt Millionen, frisst fruchtbarstes Landwirtschaftsland und zerstört die letzten Lebensräume zwischen Rhein und dem Siedlungsgebiet. Das ist nicht sehr kreativ.

Visionen statt Strassen

Bei jeder Gelegenheit kommuniziert das Ressort Verkehr, dass unterschieden werden muss zwischen kurz- mittel- und langfristigen Massnahmen. Dagegen lässt sich an sich nichts einwenden. In der politischen Realität heisst das: Massnahmen im öffentlichen Verkehr werden auf die mittel- und langfristige Bank geschoben, um in der Zwischenzeit kurzfristig und forciert Strassen zu bauen. Dass danach für die Realisierung eines innovativen und visionären öffentlichen Verkehrsmittels kein Geld mehr bleibt, liegt auf der Hand. Selbst der Leiter des Tiefbauamtes hat mehrmals darauf hingewiesen, dass wir uns auch aus finanziellen Gründen zwischen Strassenbau und dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs entscheiden müssen. Dieser Entscheid ist nun offensichtlich ohne Rücksicht auf Verluste gefällt worden – obwohl sich 59 Prozent der Bevölkerung für einen schwerpunktmässigen Ausbau des öffentlichen Verkehrs ausgesprochen haben!

Saubere Luft zum Atmen

Es ist zum Verzweifeln: Wie kommt es, dass beim Verkehr das Thema Luftqualität völlig ausgeklammert wird? Wir haben bereits heute so schlechte Luft wie in der Grosstadt Zürich. Wie kommt es, dass das Ressort Verkehr die Klimaerwärmung ignoriert? Der Verkehr stösst 36% Prozent der klimawirksamen Treibhausgase aus! Wie kommt es, dass für Strassenprojekte fruchtbarer Landwirtschaftsboden ohne Rücksicht auf Verluste hergegeben wird? Täglich werden in Liechtenstein 500 Quadratmeter Boden verbaut! Und: Wie kommt es, dass Massnahmen realisiert werden, ohne zuvor das Problem sorgfältig definiert zu haben? Ist das einzige zu lösende Problem im Bereich Verkehr tatsächlich die morgendliche Viertelstunde Rückstau auf der Schweizer Autobahn? Für die wirkliche Herausforderung – die Erhaltung unserer Lebensqualität – gibt es nur eine Lösung: den motorisierten Individualverkehr reduzieren. Auch im kommenden Winter werden die Kinder und die älteren Menschen wieder aufgefordert werden, zuhause zu bleiben, weil die Luftschadstoffbelastung unzumutbar ist. Wir appellieren an die Vernunft.


Forumbeitrag vom 7. November 2006




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